Vom 19.-21. Juni finden in Compiègne (FRA) CEI Prüfungen von 100 bis 160 Kilometer statt. Für die Schweizer Elite Kaderreiter/innen werden diese Prüfungen als Selektionsrennen für die Weltmeisterschaft gewertet. Die Kaderverantwortliche Sandra Padrutt gibt Auskunft zu den anstehenden Selektionsrennen.
Sandra, was bedeutet eigentlich «Selektionsrennen»? Und über welche Distanz wird das Selektionsrennen absolviert?
Die Selektionskommission Endurance von Swiss Equestrian sucht in der Regel eins oder mehrere Turniere aus für die Reiter, die sich für eine Europa- oder Weltmeisterschaft empfehlen möchten. Diese Auswahl entspricht in ihren Gegebenheiten (Geläuf, Höhenmeter, Grösse der Startfelder, Niveau der Startfelder) möglichst den Anforderungen der Europa- oder Weltmeisterschaft. Diese Rennen werden in der Saisonplanung der Athleten definiert. Welche Distanz die Reiter zurücklegen müssen hängt von ihren Ergebnissen vom Vorjahr und der Erfahrung der Paare ab. Aufgrund der Resultate an diesen Rennen werden dann die Reiter, die ihre Selektionsrennen erfolgreich bestanden haben, zum definitiven Selektionsanlass eingeladen. Da müssen die Reiter und Pferde ein gemeinsames kompetitives Training absolvieren und die Gesundheit der Pferde wird von unserer Equipen-Tierärztin eingehend geprüft . Nach dem Selektionsanlass hat die Selektionskommission eine Sitzung und wählt dabei die definitiven Paare für die Meisterschaft aus, wenn möglich inklusive eines Reservepaares.
Was schaut sich die Selektionskommission am Rennen im Detail an?
Zuerst einmal beobachten wir, ob die Pferde gut gereist sind, ob sie sich auf dem Turnierplatz wohl fühlen und entspannt sind oder ob sie womöglich Stress zeigen. Dann ist bereits die Vorkontrolle wichtig, am späten Nachmittag vor dem Rennen. Am Renntag ist der Start interessant zu beobachten, wie die Reiter sich und die Pferde vorbereiten, ob alles ruhig und koordiniert abläuft. Dann schauen wir auf die Taktik der Reiter, ob sie sich und ihre Pferde richtig eingeschätzt haben. Ob sie am Schluss Tempo zulegen konnten, sicher durch alle Tierarztkontrollen kamen. Ein wichtiger Punkt ist die Zusammenarbeit der Reiter mit ihren Grooms. Ist da viel Hektik oder kennt jeder seine Aufgabe und alles läuft ruhig ab? Dann sind alle Parameter der Pferde in den Vet-Gates wichtig, vor allem wie die Pferde regenerieren und natürlich zu guter Letzt ob die Pferde durchkommen und die Schlusskontrolle bestehen. Wie die Pferde durch das Rennen gekommen sind, zeigt sich dann auch am Folgetag, wo wir sie in guter Verfassung sehen möchten.
Warum wurde genau Compiègne als Selektionsrennen ausgesucht?
Für die Vorbereitung der WM in Al Ula brauchten wir ein Rennen, wo die Pferde viel auf Sand laufen können und auch ein paar Höhenmeter mit drin sind, denn die Weltmeisterschaft findet in der Wüste statt, Al Ula ist jedoch nicht nur flach. Compiègne bietet uns zudem die grossen Startfelder mit vielen Profis, die wir brauchen, um zu sehen, wie sich unsere Reiter in solch kompetitiven Rennen zeigen. Wer fit sein will für eine Weltmeisterschaft, muss in einem solchen Startfeld bestehen können.
Wie geht es für die Athleten und deren Pferde nach dem Selektionsrennen weiter für eine mögliche Selektion?
Nach den Rennen in Compiègne werden wir die Resultate und Eindrücke mit den Reitern individuell besprechen und auswerten. Dabei wird auch die weitere Trainingszeit bis zum Selektionsanlass besprochen. Die Pferde, die in Compiègne laufen, bekommen sicher eine wohlverdiente Pause und werden dann für den Selektionsanlass wieder aufgebaut. Die Selektion für Al Ula erfolgt Anfang Oktober. Wir haben 5 Paare, die sich für die Weltmeisterschaft empfehlen möchten. Bis zur Abreise nach Al Ula bleiben den Reitern dann noch einige Wochen für den Feinschliff zu Hause.
Danke Sandra für die Auskunft und wir drücken allen für Compiègne die Daumen! Wer gerne mehr Infos haben möchte, findet das Nominations- und Selektionskonzept der Disziplin Endurance hier:
Sandra Padrutt, Kaderverantwortliche Elite und Equipenchef