Interview mit Patricia Schilliger, Distanzreiterin und Kaderverantwortliche für Junioren und Junge Reiter
Interview & Text: Jenny Commons & Patricia Schilliger
Liebe Patricia, vielen Dank, dass du meine heutige Interview-Partnerin bist, für das Projekt «Distanzreitsport.ch».
Zuerst einmal herzlichen Glückwunsch! So viele Junioren und Junge Reiter hatte die Schweiz schon viele Jahre nicht mehr auf diesem Niveau! Seit wann übst du das Amt in der Juniorenförderung aus?
Vielen Dank, ich habe wirklich auch sehr grosse Freude und bin auch ein wenig stolz, dass meine Arbeit Früchte trägt. Ich führe das Amt der Nachwuchsförderung nun seit 2022 aus. Seit 2025 haben wir nun erstmals ein offizielles Nachwuchskader.
Wie sieht das Programm der Juniorenförderung aus?
Der Nachwuchs läuft normal bei den Erwachsenen mit und wird dort individuell betreut. Ein Highlight ist sicher das Trainingswochenende in Avenches jeden Frühling mit den eigenen Pferden. Diesen Frühling nahmen acht engagierte Jugendliche am Ausbildungswochenende teil. Die Jugendlichen haben zudem die Möglichkeit, im Programm der Nachwuchsförderung des ZKV mitmachen, wo sie über das ganze Jahr reiterlich, mental und sportlich gefördert werden. Das Sommerlager des ZKV im NPZ mit dem eigenen Pferd ist ein weiterer sehr beliebter Höhepunkt.
Die unterschiedlichen Niveaus wie auch die teils weit entfernten Wohnorte machen es jedoch logistisch nicht einfach, etwas Gemeinsames auf die Beine zu stellen.
Weiter stehe ich den Nachwuchsreitern, den Eltern oder Pferdebesitzern bei Fragen rund um das Distanzreiten zur Verfügung und unterstütze wo ich kann.
Am 31. Juli findet die Europameisterschaft der Junioren und Jungen Reiter in Jullianges, Frankreich, statt. Anfang Juli werden die Reiterinnen und Pferde für die Schweizer Equipe selektioniert. Wie läuft eine Selektion ab?
Es haben sich vier Juniorinnen qualifiziert, eine Reiterin sogar mit zwei Pferden. Da alle diese Pferde in den letzten 6 Monaten erfolgreiche Rennen absolviert haben, wird die Selektion moderat und schonend erfolgen. Die Selektion wird ein stündiges Galopptraining mit anschliessendem Veterinäruntersuch sein. Anschliessend stimmt die Selektionskommission darüber ab, welche Paare die Schweiz an der Junioren Europameisterschaft vertreten dürfen. Das Ziel ist es natürlich, alle vier Paare selektionieren zu können und mit einem Team an die EM zu reisen.
Was ist am Championat deine Aufgabe als Kaderverantwortliche und Equipen-Chefin?
Die Organisation für Jullianges läuft bereits seit anfangs Jahr. Es muss viel organisiert und koordiniert werden. Vor Ort in Jullianges werde ich weiter koordinieren und schauen das alles läuft.
Zu meinen Aufgaben vor Ort gehören die Tagesplanung, Taktikbesprechung, allfällige Probleme lösen, an Sitzungen teilnehmen, informieren und koordinieren, Gespräche führen, und vermutlich noch einiges mehr.
Am Renntag selbst werde ich die Teams fachlich und mental unterstützen und mich auf die Renntaktik fokussieren. Mein oberstes Ziel ist, die Pferde und ihre Reiterinnen gesund ins Ziel zu bringen und ein gutes Teamresultat zu erlangen.
Du selbst warst früher auch an diversen Championaten der Elite am Start. Welches Championat blieb dir in bester Erinnerung und weshalb?
Jedes Championat hat seine eigenen schönen Erinnerungen hinterlassen. Natürlich gab es auch weniger schöne Erlebnisse. An meine erste Weltmeisterschaft 2012 in England, Euston Park, mit meiner Stute Kasandra, erinnere ich mich sehr gerne zurück. Wir waren mit einem guten Team vertreten und konnten unter der Leitung von Suzanne Dollinger einen tollen 6. Teamrang erreichen. Kasandra war in Bestform, als schnellstes Schweizer Paar erreichten wir den 28. Schlussrang und konnten mehrere Jahre den Schweizer Temporekord über 160 Kilometer halten.
Was sind deine Pläne mit deinem Nachwuchspferd «Kaya de Luriecq», die du aus deiner Championatsstute «Kasandra» selber gezüchtet hast?
Kaya ist ein sehr sensibles und charakterstarkes Pferd, sie hat mich einiges gelernt und hält mir immer wieder den Spiegel hin. Gemeinsam haben wir schon einiges erreicht, nicht nur in sportlicher Hinsicht, sondern auch als Team. Ich möchte das tun was uns beiden Spass macht und das ist nicht nur Distanzreiten. Im letzten Jahr hat Kaya die Novice Qualifikation erlangt. Ob wir nun unseren ersten CEI1* in Angriff nehmen, steht noch offen. Neben Arbeit und Nachwuchsförderung muss das Training des eigenen Pferdes oft gut geplant werden.
Wie kamst du zum Distanzreiten?
Durch meine erste Vollblutaraberstute Kasandra. Wir bestritten 2007 unsere ersten Distanzritte in der Schweiz und Kasandra erwies sich als sehr talentiert und motiviert. 2011 starteten wir erstmals an internationalen Wettkämpfen und 2012 nahmen wir an unserer ersten Weltmeisterschaft teil.
Erzähle uns von einem ganz speziellen Endurance-Moment, der dir immer in Erinnerung bleiben wird.
Bei unserem ersten CEI2* in Deutschland holte Kasandra mit einem 5. Schlussrang den Best Condition Preis. Die vor uns platzierten Pferde präsentierten sich am darauffolgenden Morgen alle nicht sehr frisch. Kasandra jedoch war voll motiviert und flog mit Sandra Padrutt am Strick nur so über den Platz.
Und was machst du, wenn du nicht gerade im Sattel sitzt oder mit den Junioren trainierst?
Dann arbeite ich oder verbringe die Zeit mit meinem Partner. Ich bin gerne in der Natur unterwegs und mache diverse Sportaktivitäten, leider kommen diese neben dem Reiten oft etwas zu kurz.
Was würdest du einem Neu-Einsteiger, für den ersten Distanzritt, als Tipp mit auf den Weg geben?
Lass es langsam angehen, höre auf dein Pferd und hole dir Tipps von Leuten die den Sport schon lange betreiben und ich empfehle immer wieder, als Groom/Helfer, vor allem an internationalen Rennen dabei zu sein und so viel über den Sport zu lernen.
Als Abschluss-Frage, eine Frage, die ich allen Interview-Partnern stelle: «Was wünschst du dem (Schweizer) Distanzreitsport für die Zukunft?»
Viele gute Nachwuchsreiter/innen, gesunde Pferde, Akzeptanz, Erfolg und gegenseitiger Respekt.
Vielen Dank Patricia, für deine Antworten und dass du dir die Zeit genommen hast!
Resultate national (nur ab 2023), Stand 27.06.2026
| 06.2026 | Kaya de Luriecq | Dreiländereck Distanz (GER) | EVG2 | 13.69 km/h | 6. Rang |
| 05.2026 | Kaya de Luriecq | Uerkheim | EVG2 | 13.54 km/h | 2. Rang |
| 10.2025 | Kaya de Luriecq | Buch (GER) | EVG4 | 14.09 km/h | 4. Rang |
| 09.2025 | Kaya de Luriecq | Zauggenried | EVG4 | 12.73 km/h | 6. Rang |
| 08.2025 | Kaya de Luriecq | Affoltern am Albis | EVG1 | 9.06 km/h | 16. Rang |
| 07.2025 | Kaya de Luriecq | Beinwil (Freiamt) | EVG1 | 12.12 km/h | 10. Rang |
| 05.2025 | Kaya de Luriecq | Lodrino | EVG3 | 13.57 km/h | 4. Rang |
| 04.2025 | Kaya de Luriecq | Reguisheim (FRA) | EVG2 | 13.83 km/h | 8. Rang |
| 05.2024 | Kaya de Luriecq | Affoltern am Albis | EVG2 | 12.31 km/h | 6. Rang |
| 05.2023 | Kaya de Luriecq | Affoltern am Albis | EVG1 | 12.24 km/h | 29. Rang |
Resultate CEI
| 06.2019 | Djoba de Luriecq | Buch (GER) | CEI2* (120km) | 14.72 km/h | 2. Rang |
| 09.2018 | Djoba de Luriecq | Tryon (USA) | WEG CEI3* (160km) | Teilnahme* | |
| 06.2018 | Djoba de Luriecq | Costaros (FRA) | CEI2* (120km) | 17.58 km/h | 14. Rang |
| 08.2017 | Djoba de Luriecq | Brüssel (BEL) | EM CEI3* (160km) | 16.54 km/h | 20. Rang |
| 06.2017 | Djoba de Luriecq | Costaros (FRA) | CEI3* (160km) | 16.13 km/h | 7. Rang |
| 04.2017 | Djoba de Luriecq | Babenhausen (GER) | CEI2* (120km) | 16.59 km/h | 5. Rang |
| 06.2015 | Djoba de Luriecq | Weissenhorn (GER) | CEI2* (120km) | 17.49 km/h | 1. Rang |
| 05.2015 | Djoba de Luriecq | Aumont (FRA) | CEI1* (80km) | 19.06 km/h | 10. Rang |
| 03.2014 | Kasandra II CH | Fontainebleau (FRA) | CEI1* (90km) | 19.58 km/h | 19. Rang |
| 05.2013 | Kasandra II CH | Compiègne (FRA) | CEIO3* (160km) | 18.47 km/h | 12. Rang |
| 08.2012 | Kasandra II CH | Euston Park (GBR) | WM CEI3* (160km) | 18.96 km/h | 28. Rang |
| 06.2012 | Kasandra II CH | Rambouillet (FRA) | CEI3* (160km) | 17.83 km/h | 10. Rang |
| 03.2012 | Kasandra II CH | Fontainebleau (FRA) | CEI2* (130km) | 18.86 km/h | 24. Rang |
| 10.2011 | Kasandra II CH | Fontanafredda (ITA) | CEI2* (120km) | 18.45 km/h | 7. Rang |
| 09.2011 | Kasandra II CH | Chavanay (FRA) | CEI2* (130km) | 18.11 km/h | 5. Rang |
| 06.2011 | Kasandra II CH | Nörten-Hardenberg (GER) | CEI2* (120km) | 15.79 km/h | 5. Rang |
| 10.2010 | Kasandra II CH | Neuenhof (SUI) | CEI1* (80km) | 16.03 km/h | 4. Rang |
| 08.2009 | Kasandra II CH | Kreuth (GER) | CEI1* (80km) | 13.99 km/h | 8. Rang |
*das Rennen an der WEG in Tryon (USA) wurde wegen Unwetter abgebrochen


























